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Susann Dohm
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bildungsklick.de vom 08.10.2019
Profilschulen im Freistaat Bayern



Ihr Artikel:

https://bildungsklick.de/schule/detail/zahl-der-schulen-mit-dem-profil-inklusion-steigt-botschafter-fuer-mehr-miteinander-in-unserem-land

 

Korrektur !  Verbesserter Formulierungen und Erklärungen:
 

Es gibt nur einen richtigen Weg für die konventionskonforme Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention Artikel 24. Das ist die Entwicklung eines inklusiven Bildungssystem, das hochwertige inklusive Schulbildung für alle Schüler und Schülerinnen  im Freistaat Bayern ermöglicht, was nur durch angemessene Rahmenbedingungen wie individuelle Förderung für alle Kinder, kleinere Klassen, Doppelbesetzung mit Lehrer und Sonderpädagogen, geänderten Lehrplänen, Novellierung der bayerischen Schulgesetze (der Artikel 24 muß in den Gesetzen festgeschrieben werden) Ausbildung der Lehrer, einen Rechtsanspruch für einen wohnortnahen und inklusiven Schulplatz und einer unabhängigen Beschwerdestelle für Inklusion, sowie ein eigenes Ministerium für inklusive Schulbildung, damit die Umsetzung auch überwacht und begleitet werden kann. Gerne mit der Unterstützung durch die Monitoring-Stelle. Derzeit gibt es zu viele Angestellte, Beamte und Politiker, die damit beschäftigt sind Menschen mit Behinderungen zu selektieren, zu verwalten und sie letztendlich auszuschließen. 

Im Beschluss Bayerischen Landtags (Drs. 16/4619) 22.04.2010 heißt es: "5.
Die Förderschulen sind als Lernorte und Kompetenzzentren bei der Umsetzung der von der UN-Konvention geforderten Inklusion im Bildungswesen unverzichtbar". Das ist jedoch mit der UN-Behindertenrechtskonvention unvereinbar. Die UN-BRK präzisiert und konkretisiert das Menschenrecht auf Bildung mit Blick auf die Situation und die Bedarfe von Menschen mit Behinderungen (Artikel 24 UN-BRK). Sie verpflichtet den Vertragsstaat zur Verwirklichung eines inklusiven Bildungssystems.

 

Der UN-Ausschuss für die Rechte von Menschen mit Behinderungen hat 2016 in seiner Allgemeinen Bemerkung zum Recht auf inklusive Bildung erläutert, was die Verpflichtung zur Schaffung eines inklusiven Systems konkret bedeutet. Dabei hat er erneut hervorgehoben, dass Staaten, die neben dem regulären Schulsystem ein Sonderschulsystem aufrechterhalten, ihre Verpflichtung nicht erfüllen. Dass die trennende Doppelstruktur von allgemeiner Schule und Förderschule in Deutschland nicht UN-BRK-konform ist, hatte der UN-Ausschuss bereits 2015 anlässlich der Staatenberichtsprüfung Deutschlands deutlich gemacht.

Die Erfahrungen, die betroffene Familien in Bayern in der Realität erleben, bestätigen die fehlende inklusive Schulbildung in Bayern. Diese Familien schildern uns, wie selbst Schüler*innen mit Behinderungen nicht ausreichend individuell gefördert werden können und inklusive Maßnahmen fehlen. Auch wir haben das an einer Grundschule mit dem Schulprofil Inklusion selbst erlebt, weil die Sonderpädagogin zu wenige Stunden zur Verfügung stand und die zuständige Lehrerin und Schulleitung keine angemessene Ausbildung zur inklusiven Schulbildung hatte.

 

So werden Kinder mit Behinderungen an manchen Schulen sogar gezwungen, ohne die notwendige Schulbegleitung den Schulbesuch zu meistern, da es ja in Deutschland auch eine Schulpflicht für Menschen mit Behinderungen gibt. Anscheinend zu jedem Preis. Obwohl diese Kinder eine Schulbegleitung genehmigt bekommen haben und diese im Schulalltag auch dringend benötigen, scheint das innerhalb des Schulsystems dann keine Rolle mehr zu spielen. Da ist es dann auch kein Wunder, dass die Integration von behinderten Schüler*innen in Bayern zu scheitern droht, da schulische Assistenzkräfte noch immer fehlen und die Regelschullehrer es derzeit in den zu großen Klassen und ohne Ausbildung nicht leisten können. 


Oft können keine qualifizierten Schulbegleitungen gefunden werden, weil die Bezahlung zu gering und unsicher ist oder weil bekannt ist, dass viele behinderte Kinder nach kurzer Zeit von der Regelschule auf eine Förderschule abgeschult werden. Deshalb können manchmal auch keine Dienste für die Schulbegleitungen gefunden werden. Daher werden neuerdings die Eltern für die Schaffung einer Schulbegleitung sogar verantwortlich gemacht und schaffen es Eltern nicht, landen diese manchmal wegen falscher Kindeswohlgefährdungs-Meldung sogar vor dem Familiengericht.

 

 Aus totaler Verzweiflung und durch Druck durch die Behörden, werden Eltern immer häufiger dazu gedrängt, dass Persönliche Budget für eine Schulbegleitung zu beantragen. So muß nun das behinderte Kind selbst zum Arbeitgeber werden und eine Schulbegleitung anstellen, damit es sein Recht auf inklusive Schulbildung in Bayern erhalten kann und der Verpflichtung seiner Schulpflicht erfüllen kann.  Eine verrückte Welt.


Was an den Regelschulen in Bayern und an den Profilschulen weiterhin versucht wird, ist die Integration mit einem Nachteilsausgleich und oder Notenschutz und zu wenigen Stunden einer Sonderpädagogin, die oft mehrere Schulen betreuen muß. Oft werden diese Kinder zur sonderpädagogischen Förderung aus dem Klassenverbund genommen und verpassen dadurch die Unterrichtsinhalte, die die nichtbehinderten Klassenkameraden dann durchnehmen. Dadurch wird auch der soziale Zusammenhalt innerhalb der Klasse geschwächt. Das behinderte Kind fühlt sich aus dem Klassenverbund immer mehr ausgeschlossen. Wir bezeichnen das als „Selektion innerhalb der Inklusion“. Das ist jedoch keine Inklusion.

Da es bisher kaum inklusiven Schulsport gibt, werden behinderte Kinder vom Sportunterricht ausgeschlossen, oder dürfen nicht mit zu Schulausflügen und manche müssen auf dem Flur mit der Schulbegleitung Aufgaben lösen. Diese separierenden Arbeitsplätze werden dann "Lerninseln" genannt.

Da der Freistaat Bayern seit 10 Jahren kein inklusives Bildungssystem entwickeln konnte und im Haushaltsplan 2019/20 auch keine Positionen für die Schulen zur Verfügung gestellt wurden, werden behinderte Kinder in Bayern weiterhin auf Förderschulen zugewiesen und abgeschult. Denn wenn die inklusiven Rahmenbedingungen nicht angemessen vorhanden sind, dann scheitert die Beschulung oft nach kurzer Zeit an einer Regelschule und auch an den sogenannten Profilschulen.

 

So erhalten behinderte Kinder sogar „Verweise“ für ihr Verhalten, dass durch deren Behinderung entstehen kann. Die aktuellen Schulgesetze wurden ursprünglich für die nichtbehinderten Kinder verfasst und erlassen. Seither hat keine Novellierung der Schulgesetze in Bayern angemessen stattgefunden, dass eine inklusive hochwertige Schulbildung ermöglichen könnte.

Bund und Länder wollen weiterhin, dass Kinder mit Behinderungen auch an Sonder- und Förderschulen unterrichtet werden. Eine gesonderte Beschulung ist mit der UN-Behindertenrechtskonvention aber „unvereinbar“. Die Länder seien durch die 2009 von Deutschland unterzeichnete Vereinbarung vielmehr dazu verpflichtet, „ein hochwertiges inklusives Bildungssystem auf allen Ebenen zu gewährleisten“.

 

Menschen mit und ohne Behinderungen hatten deshalb mit Inkrafttreten der UN-Behindertenrechtskonvention im Jahr 2009 einen menschenrechtlichen Anspruch auf einen diskriminierungsfreien Zugang zur allgemeinen Schule – schon vor der vollständigen Schaffung eines inklusiven Bildungssystems.

Da der Freistaat Bayern es bisher nicht geschafft hat, haben wir nun eine Beschwerde beim Deutschen Bundestag eingereicht. Diese kann auf unserer Internetseite abgerufen werden.

Susann Dohm
Botschafterin für inklusive Schulbildung
Deutscher Verband inklusiver Schulentwicklung i.G. 

Die inklusive Schule ist ein Ziel der Schulentwicklung aller Schulen in Bayern und inklusiver Unterricht ist Aufgabe aller Schulen ( BayEUG Art. 30b )

 

Deutscher Verband inklusiver Schulentwicklung i.G.